In einem begrenzt offenen Realisierungswettbewerb suchten die Stadtentwässerungsbetriebe im Jahr 2013 die Planer für ein neues Labor- und Bürogebäude des Abwasserinstituts. Der Entwurf von kister scheithauer gross (ksg) reagierte auf die markante Umgebung des Werksgeländes mit einem freien und geometrischen Gebäudekörper, welcher das dreiecksförmige Grundstück optimal ausnutzt. Die Architekten wurden mit der Realisierung beauftragt. „Der eingeschossige Baukörper mit dem runden Technikaufbau greift die Körperhaftigkeit der technischen Bauwerke auf und wird sowohl seiner Funktion als auch in seiner bildhaften Wirkung als markantes Technikgebäude gerecht“, erläutert Entwurfs-verfasser Johannes Kister. Das komplett eingehauste Gebäude mit der gebogenen Fassade ähnelt mehr einem metallischen Gefäß und harmonisiert so mit seiner Umgebung. Die Fassade nimmt dem Gebäude die Maßstäblichkeit. Allerdings ohne distanziert und charakterlos und ohne typische Industriearchitektur zu sein.

Seine Identität erhält der Neubau durch seine Materialität und ornamentale Fassadengestaltung, welche die verschiedensten Assoziationen bei ihren Betrachtern weckt. Ist es ein orientalischer Paravent. Nein, wie ein Tetris Spiel. Oder vielleicht doch eine Hollerithsche Lochkarte? „Ich dachte bei der Fassadengestaltung an die typische Siebcharakteristik, die ich auch immer mit dem Analysieren und der Recherche, also den Abläufen in einem Labor verbinde“, so Kister. „Was steckt dahinter? Was steckt drin? Dieses Spiel mit der Neugier eines Chemikers haben wir auf die Gestaltung übertragen. So sieht der Betrachter von außen immer nur Teile oder Bestandteile des Ganzen. Bei jedem Schritt um das Gebäude verändert sich der Blick auf den Kern, das Innere.“ Neben der gestalterischen Idee dient die vorgesetzte Metallfassade auch als Sonnenschutz und schafft es zudem, die unterschiedlich großen und angeordneten Fensteröffnungen im Sozial-, Büro- und Laborbereich harmonisch zu vereinheitlichen. Es gibt keine „schlechte Rückseite“ und auch für die Mitarbeiter im Inneren ergeben sich spannende Ausblicke in die Umgebung.

Funktional und konstruktiv betrachtet teilt sich das Gebäude in zwei Teile: Einen niedrigeren Bau aus einschaligem hochwärmedämmenden Bimsmauerwerk mit Stahlbetondecke und einer höheren Halle aus Stahlbeton-Fertigteilen mit Trapez-blechdach. Im dem hallenartigen, hohen Bauteil, das mehr als die Hälfte der Fläche darstellt, befindet sich das große Analyselabor mit modernen Laboreinrichtungen; anders als bei den herkömmlichen Zellenlabors besticht dieser Labortypus durch seine kurzen Wege und seine große Transparenz. Es stimmt: Die Funktion des Gebäudes – ein hochtechnisiertes analytisches Labor des Abwasserinstituts – und die dreieckige Form des Grundstücks passen auf den ersten Blick nicht zusammen. Doch durch die Innovation von in Reihe geschalteten Labortischen konnten sich die Planer von der typischen inneren Aufteilung eines Labors lösen und im zweiten Schritt eine höhere Flexibilität sowohl in Bezug auf die Zonierung als auch die grundsätzliche Form des Gebäudes erzielen. Und so entstand am Ende ein Laborneubau, der durch seine ästhetische Form, seine außergewöhnliche Fassade und seine optimalen Arbeitsabläufe im Inneren bereits heute zu den Pilotprojekten im Laborbau zählt. Am 7. Oktober 2016 wurde das Gebäude nach rund 14 Monaten Bauzeit offiziell eingeweiht.

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