Am Weinhof in Ulm stand bis zur Zerstörung 1938 durch die Nazis die alte Synagoge. An dieser hochsensiblen Stelle im Ulmer Stadtraum, in unmittelbarer Nähe zum Schwörhaus, fügt sich der Neubau der Synagoge in das Gesamtbild ein, ohne den einzigartigen Charakter des Ortes zu verändern. Die Freistellung des Baukörpers formuliert den besonderen Rang der Bauaufgabe.

Alle Nutzungen sind in dem glatten Baukörper zusammengefügt: Foyer, Synagoge, Mikwe (Ritualbad), Versammlungssaal, Schul- und Verwaltungsräume, sowie die Kindertagesstätte mit einem nicht einsehbaren Innenhof, der direkt über dem Sakralraum liegt. Die Räume sind orthogonal organisiert. Nur die Synagoge ist um die einzige freistehende Stütze des Gebäudes gedreht, ihre Achse verlagert sich in die Diagonale. Der Ausrichtung nach Südosten liegt eine übergeordnete religiöse Bedeutung zu Grunde, sie zielt geographisch exakt nach Jerusalem, dem geistigen und religiösen Zentrum des Judentums.

Durch den diagonal ausgerichteten Sakralraum entsteht das Eckfenster, welches mit dem Motiv des Davidsternes als Raumfachwerk spielt. Anhand von über 600 Öffnungen ergibt sich in der Synagoge ein vielfach illuminierter Raum mit Schwerpunkt auf dem liturgischen Herzstück, dem Thoraschrein. Die mittels eines Hochdruck-Wasserstrahls hergestellte Perforation der Fassade umspielt innen den Schrein und bildet nach außen die Synagoge ab.

Bauherr: Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg
BGF:  1.980
Leistungszeit: 2010 - 2012
Fertigstellung: Dezember 2012
1. Preis Gutachterverfahren 2009


Preisträger des bundesweiten Wettbewerbs "Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen 2013/14"